Birds, Birds, Birds ...
Rune Mields
25. Mai bis 26. Juli 2012

Vernissage am Donnerstag, den 24. Mai 2012 von 19 bis 21 Uhr

In den Mythen der Weltkulturen gelten „Kranich“ und „Rabe“ als vielseitig interpretierte Vogelgestalten. Diesen Vögeln und dem ältesten Baum der Welt hat die Kölner Künstlerin Rune Mields ihre neueste Werkserie gewidmet. Die Bilder sind von Hokusai, dem japanischen Meister des Farbholzschnittes, Goethe und der Mythologie des afrikanischen Kontinents inspiriert.

In Japan und China wird der Kranich als Symbol für ein langes Leben und der Unsterblichkeit verehrt. Die Menschen dort glaubten, dass der langbeinige Zugvogel Tausend Jahre alt werden könne. Sie verehrten die weiße Farbe seines Gefieders als Zeichen der Reinheit, die roten Kopffedern als Sinnbild für die Lebenskraft. Die langen Beine des Kranichs nahmen Menschen zum Vorbild für theatrale Rituale auf Stelzen. Weil der Kranich im Frühjahr zurückkehrt, heißen ihn schwedische Mythen „Vogel des Glücks“ und verknüpfen seine Gestalt mit Nahrung im Überfluss, Licht und Wärme.

„Und über Flächen, über Seen der Kranich nach der Heimat strebt.“ (aus: J. W. Goethe, Faust. Tragödie)

Rune Mields hat seit 1970 ein riesiges Werk geschaffen, das in vielen deutschen Museen zu bewundern ist. Die renommierte Kölner Künstlerin beschäftigt sich mit den inneren Strukturen der Mathematik und Chemie, den Sinnbildern und Zeichen den Weltreligionen.

Weltbilder aller Kontinente faszinieren die Autodidaktin von Beginn ihres Schaffens an. Systematisch geht sie den Geschichten nach und entlockt ihnen ihre zentralen Denkfiguren. Wie eine Archäologin siebt sie Textpassagen nach zentralen Begriffen durch, setzt z.B. ägyptische Schriftzeichen mit dem Grundmotiv der drei Kranichen zu einem neuen Textbildsystem auf Papier zusammen. Rune Mields malt „mit langsamer Hand“. Sie überträgt die auf Papier gefundete Ordnung Pinselstrich für Pinselstrich - auf die Leinwand, verbessert Farbnuancen und Proportion. Der Untersuchung rationaler Denkformen entsprechen die gewählten Farben. Sie verwendet Tusche wie die alten japanischen Meister, greift zu Graphit wie romantische Meisterzeichner und verbindet diese tradierten Methoden mit zeitgenössischen Maltechniken in Acryl. Die zeitweilige Gastprofessorin wurde mehrfach mit Auszeichnungen, wie 2000 mit dem Gabriele-Münter-Preis bedacht.

Der Kranich als Bildmotiv in Rune Mields Oeuvre seit 1997. Neu erscheint in den aktuellen Kranichbildern ein zartes „Blau“ als Fond. Die Farbe taucht in der Kunstgeschichte als Farbe des Himmels, der Ewigkeit und immateriellen Zeit auf und verweist auf die romantische ins Unendliche gerichtete Sehnsucht. Seit altersher verkörpern Vögel wie der Kranich die menschliche Seele.

Ältester Baum der Welt

Die Vögel hat Rune Mields in unterschiedlichen Flugpositionen dargestellt. Ein Bild zeigt fliegende Kraniche neben de Silhouette des ältesten Baumes der Welt, einer ca. 9550 Jahre alten Fichte aus Schweden. Über die zeitlose Szenerie scheint ein weißes Kranichskelett leicht belustigt zu lächeln – so, als wollte es den Betrachtern sagen: Carpe diem!

(Text: Elisabeth Noske)



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